Um Inhalte wie Artikel und News einer möglichst großen Leserschaft zur Verfügung zu stellen, ist es heutzutage oft üblich, dass die Inhalte nicht nur auf der eigenen Webseite veröffentlicht werden. Hierfür eignen sich zum Beispiel Presseportale. Doch wie findet man das “richtige” Portal?
Um bei der Fülle an vorhandenen Presseportalen abwägen zu können, wo sich ein Eintrag lohnt, ist die Untersuchung der Sichtbarkeit des jeweiligen Portals ein wichtiger Bewertungspunkt. Diesbezüglich haben wir uns das Presseportal openPR im Bezug auf dessen Sichtbarkeit in den Suchergebnissen einmal genauer angesehen.
Nach Tiefstwert keine nennenswerte Erholung mehr
Nachdem Anfang des Jahres ein kleiner Aufschwung zu verzeichnen war, und die Seite auch bei seostation.de als zweitbestes (bzw. -lohnenswertestes) Presseportal erwähnt wurde, hat open PR jedoch bis heute unaufhaltsam an Sichtbarkeit verloren. Nach einem besonders tiefen Absturz Ende Juli diesen Jahres – in der die Domain ihren Rekord-Tiefstwert in Sachen Sichtbarkeit erreichte – konnte sie sich nicht mehr nennenswert erholen. Die folgende Grafik zeigt den entsprechenden Sichtbarkeitsverlauf, gemessen mittels SVR.

Es stellt sich nun die Frage: Was könnte die Ursache für diese negative Entwicklung sein?
Duplicate Content-Problematik
Beim Presseportal openPR sind vor allem die Strukturfehler auffällig, die eine Duplicate Content-Problematik mit sich ziehen. Bei DC handelt es sich um gleichen bzw. wiederholten Inhalt, der unter verschiedenen Pfaden abrufbar ist. Suchmaschinen werten Seiten mit DC, der bereits auf ein oder mehreren Seiten einer anderen Domain vorhanden ist, generell ab, da diese keinen Mehrwert liefern.
Im Fall von openPR liegt jeder Artikel gleich in dreifacher Ausfertigung vor. Betrachtet man die Pfade, so ist jeder Text in drei verschiedenen Verzeichnissen bzw. unter drei verschiedenen URLs auffindbar. Die Struktur ist folgendermaßen ausgelegt:
- http://www.openpr.de/news/Artikelnummer/Artikel.html
- http://www.openpr.de/drucken/Artikelnummer/Artikel.html
- http://www.openpr.de/tArtikelnummer
Jeder Artikel kann somit über die Pfad-URLs mit „drucken“ oder „news“ oder „tArtikelnummer“ aufgerufen werden. Desweiteren ist jeder Artikel noch zusätzlich als PDF-Version unter folgendem Pfad erreichbar:
http://www.openpr.de/pdf/Artikelnummer/Artikel.pdf
Da PDFs allerdings einen zusätzlichen Nutzen für den User bieten, sind diese Pfade nicht als allzu problematisch einzustufen.
(Unnötige) Seiten im Index
Ein weiteres Manko stellen die 76.500 indizierten Seiten dar, die unter folgender Pfad-Struktur angeordnet sind und überwiegend keinen Mehrwert bieten:
http://www.openpr.de/schlagwort/IrgendEinSchlagwort.html
Diese Seiten machen fast ein Viertel aller indexierten Seiten (knapp 292.000) von openPR.de aus. Insgesamt sind sogar fast 3 Millionen Pfade bei Google bekannt. Dies ist zu sehen, wenn man „schlagwort“ und „drucken“ in der site-Abfrage ausschließt. Hier wird deutlich, dass Google sich unsicher ist, welche Seiten der Domain wirklich wichtig sind.
Da diese Schlagwortseiten weder einen direkten Mehrwert bieten, noch zu relevanten Keywords ranken, wäre die Empfehlung die Schlagwortseiten aus dem Index zu entfernen, um so die Relevanz der verbleibenden Seiten zu stärken.
Schnelle Lösung
Eine Schadensbegrenzung kann im Fall von DC relativ schnell und effektiv in der robots.txt vorgenommen werden. Die Pfade, die zu doppelten Einträgen führen, können mit der Anweisung „Disallow:“ in der robot.txt aufgelistet werden. Dies hat den Effekt, dass die darunter erreichbaren Seiten nicht indiziert werden und dadurch doppeltem Content vorgebeugt wird. Für unser Beispiel sähe das innerhalb der robots.txt konkret so aus:
„Disallow: /drucken/“
Optional kann auch folgende Zeile in den Metatags einer Seite eingefügt werden, um deren Indizierung zu verhindern:
<META CONTENT=”NOINDEX, FOLLOW”>
Für den Fall dass bereits ungewollt doppelter Content im Index vorhanden ist, gibt es in den Google Webmastertools die Möglichkeit, diesen wieder zu entfernen. Eine Anleitung hierfür findet sich hier. Im Fall von openPR könnten so alle „/drucken/“- und „/schlagwort/“-Pfade entfernt werden.
Schlusswort
Die „schnellen Lösung“ lassen sich – nebenbei bemerkt – nicht nur für die DC-Problematik und die unrelevanten indexierten Seiten von openPR.de übertragen, sondern sind ebenfalls auf andere Domains anwendbar.
Insgesamt ist in Sachen Sichtbarkeit nicht nur bei openPR, sondern auch bei anderen großen Presseportalen, wie online-artikel.de, pressebox.de und firmenpresse.de, ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Besonders bei Presseportalen ist die DC-Problematik höchst ausgeprägt und kann somit als Minusfaktor auch in die Schusslinie von Google geraten.
Um zu entscheiden wo Inhalte und News veröffentlicht werden, ist ein Blick auf die Sichtbarkeit des entsprechenden Portals sicherlich ein wichtiges, aber nicht das einzige Entscheidungs-Kriterium. Auf welche Kriterien achtet ihr bei der Auswahl eines Presseportals?
Euer SEOlytics-Team

Ich komme aus dem klassischen (offline) Medienbereich und bin auch hier mit PR-Agenturen gut vernetzt. Mein Eindruck ist der, dass diese PR-Agenturen zwar Online-PR-Portale bedienen, jedoch nur eine Auswahl, und dann vor allem die kostenpflichtigen Auch-Online-Angebote der traditionellen Nachrichten-Agenturen (in deren kostenpflichtigen Bereich) – und nicht die ganzen “SEO-PR-Portale” ;) Im Bereich “SEO” habe ich bislang u.a. openpr.de ganz hilfreich empfunden, die fallenden Sichtbarkeiten sind aber gravierend.
Aber: Bislang konnte man mit einem guten Text (“Keyword”) bei openpr.de doch relativ schnell auf die erste Seite bei Google als “News” “eingefeeded” werden. Hat sich das auch geändert? (Das kann der SIchtbarkeitsindex eher nicht abbilden, oder?
Was denn mit Webnews, zählt ihr das auch dazu, weil die haben ja nen ordentlichen Sprung gemacht im Sichtbarkeitsindex.
@Markus
Nein die News Ergebnisse werden aktuell noch nicht im SVR abgebildet. Dies wird jedoch in der neuen Version zum Teil möglich sein.
@Dirk
Webnews ist kein Portal auf welchem man PR-Texte online stellen kann, sondern ein Plattform auf welcher man seine News mit promoten kann und nur einen Teaser verfassen kann und dann einen Link bekommt, nach dem Vorbild digg.
Das “interne” DC-Problem kann ich nachvollziehen. Daraus auf ein generelles DC-Problem bei Online-Pressemitteilungen zu schließen, halte ich für gewagt. In Punkto Sichtbarkeit darf nicht vergessen werden, dass es in letzter Zeit viel neue Konkurrenz gibt, die etwas vom Kuchen abhaben möchte.