Zum Start der neuen Saison widmen wir uns in diesem Jahr nicht den Vereinen der Bundesliga, sondern konzentrieren uns speziell auf die Webpräsenz der zugehörigen Fanshops. Eine gute Sichtbarkeit des jeweiligen Shops in den Suchmaschinenergebnissen begünstigt schließlich mit Sicherheit die Umsatzsteigerung. Daher haben wir analysiert, wie sichtbar die zugehörigen Internetauftritte aktuell sind.
Rote Karte für die Sichtbarkeit fast aller nationalen Fußball-Fan-Shops!
Wie Spiegel Online feststellte: „Wichtigster Vertriebsweg bleibt der Verkauf im eigenen Stadion und über den Fanshop in Citylage. Doch vor allem das Geschäft im Internet ist [seitdem] weiter auf dem Vormarsch. Fast ein Drittel der Fanartikel werden mittlerweile online verkauft.“
Eine Entwicklung, die scheinbar noch nicht allen Fanshop-Verantwortlichen bewusst geworden ist. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Sichtbarkeit der „besten“ neun Online-Fanshops.
Bis auf den Shop des FC Köln, den Bayern-Shop und Werders Online-Shop liegt die Sichtbarkeit aller Fanshops auf einem vergleichbar konstant niedrigen Niveau. Die Sichtbarkeit der verbleibenden neun Fanshops fällt aktuell sogar noch geringer aus. Die folgende Tabelle zeigt die Sichtbarkeit aller 18 Vereine in absteigender Sortierung:
Die hier abgebildeten SVR-Werte fallen zum größten Teil sehr gering aus. So entsteht schnell der Eindruck, dass die Domains im Suchmaschinenindex kaum bis gar nicht sichtbar sind. Hier muss jedoch berücksichtigt werden, dass der SVR nicht alle Keywords in die Berechnung einkalkuliert und daher an dieser Stelle lediglich als Richtwert gesehen werden kann. Um zu verstehen, wie die Unterschiede zwischen den einzelnen Werten zustande gekommen sind, lohnt es sich die Keywords der Domains einmal genauer zu untersuchen.
Der genauere Blick auf die Keywords der jeweiligen Domains zeigt, dass Shops wie der von Werder Bremen mit wichtigen Keywords wie „Werder Bremen Fanshop“ oder „Werder Bremen Trikot“ sehr gute Rankings erzielen. Zudem weisen viele der für den Shop interessanten Keywords hohe Suchvolumina auf. Die Seite hat um die 800 Seiten im Index und rankt mit mehr als 400 Keywords.
Mit abnehmendem Sichtbarkeitsindex verändern sich diese Werte merklich. Beim Hamburger SV ranken zwar relevante Keywords auf der ersten Seite, allerdings ist zu erkennen, dass diese Keywords ein deutlich geringeres Suchvolumen aufweisen und auch die Gesamtanzahl der rankenden Keywords deutlich abgenommen hat. Beim FC Augsburg ranken die wirklich interessanten Keywords wie „FC Augsburg“ gerade mal auf Platz 35. Das Schlusslicht Hoffenheim hat nur noch 22 Seiten im Index und hat bis auf das Keyword „1899 Hoffenheim Fanshop“ (Suchvolumen = 0) keine Keywords auf der ersten und zweiten Seite.
Die Konkurrenz schläft nicht – Wer profitiert vom schwachen Online-Auftritt der Fanshops?
Der Umsatz durch den Verkauf von Fanartikeln nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Zwar ist Deutschland im internationalen Vergleich mit knapp 130 Mio. Euro nur auf Platz drei gelandet, dennoch verdienen Spitzenclubs wie Bayern allein mit Merchandisingprodukten rund 40-45 Mio. EUR im Jahr (Stand: 2009).
Die meisten der Online-Fanshops verfügen jedoch kaum über einen nennenswerten SVR. Stichprobenartige Suchanfragen zeigten, dass Fußballfans schon ganz explizit nach einem Fanshop suchen müssen, um sich nicht stattdessen auf EBay, Amazon oder Affiliates-Seiten zu verirren, um dann dort ein Trikot zu kaufen.
Bsp. „Dortmund Trikot“ (monatliche lokale Suchanfragen ca. 1300)
Bremen vs. Hoffenheim – Zwei Online-Fanshops im Vergleich
Ausgehend vom Sichtbarkeitsvergleich der Online-Fanshops haben wir uns einmal die Nummer eins und den letzten Platz angesehen. Hoffenheim ist, was SEO betrifft, eine echte Blamage, aber auch der Online-Shop von Bremen zeigt, dass noch Potenziale ungenutzt sind.
Bremen – Pokalsieger in der SEO-Liga
Der Online-Shop von Werder Bremen macht in der Tat schon sehr viel richtig. Es werden nicht nur individuelle Descriptions für die meisten Artikel verwendet, sondern auch einzigartige Titles, bei welchen der Brand am Ende steht.
Positiv zu erwähnen ist auch die gute URL-Struktur der Seite. Die URLs sind so gewählt, dass bereits in den SERPs (Suchmaschinen-Ergebnisseiten) zu erkennen ist, welche Produkte den User auf der Seite erwarten (Stichwort „sprechende“ URLs). Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf die Klickrate, denn User klicken eher auf Ergebnisse mit diesen sogenannten sprechenden URLs.
Bilder generieren mittlerweile einen nicht unerheblichen Anteil an Traffic. Auch hier ist Werder mit knapp 4800 Ergebnissen in der Google-Bildersuche sehr gut aufgestellt. Die Produktbilder des Shops sind zudem sinnvoll benannt.
Doch genug der Schmeicheleien! Wo hat Werder noch Potenzial? Nun zum einen fällt auf, dass noch nicht alle Artikel eine Beschreibung erhalten haben, zudem fallen viele Beschreibungen auch etwas zu kurz aus.
Darüber hinaus ist anzunehmen, dass Google Shopping aktuell noch nicht verwendet wird, da es hierzu bei Google noch keine Ergebnisse gibt. Verschenktes Potenzial, denn schaut man sich zum Beispiel die Ergebnisse zum Suchbegriff „Werder Trikot“ an, sieht man, dass Neckermann & Co. hier ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Ebenfalls anzumerken sei, dass es aktuell keine 404-Fehlerseiten gibt. So werden beispielsweise Vertipper im Root-Verzeichnis per 302 auf die Startseite weitergeleitet, bei allen anderen Verzeichnissen wird die jeweilige Seite einfach neu geladen. Hier wäre aus Usability-Sicht eine eigene 404-Fehlerseite sinnvoll, die dem User Hilfestellung gibt.
Kleine Randbemerkung: Man kann auch durch Verlinken von nicht existierenden Seiten, zum Bsp.: http://www.werder-fanshop.de/de/home/was-ist-gruen-und-stinkt-nach-fisch.html unliebsame Seiten generieren und in den Index bekommen, Duplicate Content inklusive.
Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf die interne Linkstruktur der Seite. Bedenkt man, dass der Fanshop doch noch „relativ klein“ ausfällt, so sind mehr als 400 interne Links auf der Startseite doch etwas viel des Guten. Hier sollte man vor allem im Hinblick auf die Themenkanalisierung der Seite die Linkanzahl reduzieren, um so gezielt den Traffic auf die wichtigsten Bereiche des Shops zu lenken.
Fazit: Der Fanshop von Werder Bremen ist nicht ohne Grund auf Platz eins im Sichtbarkeitsvergleich, bietet aber noch Potenzial für weitere Optimierungen, die dafür sorgen können, dass die Shopumsätze weiter steigen.
Hoffenheim – Ab auf die SEO-Strafbank!
Was hat sich der Programmierer hier wohl gedacht, als er festlegte, dass die Seiteninhalte lediglich mit Java Script und Cookies angezeigt werden? Vielleicht war ihm an dieser Stelle nicht bewusst, dass Google keine Cookies verwendet und damit auch diese Inhalte nicht indexieren kann?
Aber halt, die Site-Abfrage ergab, dass es ganze 22 Ergebnisse doch in den Index geschafft haben. Hier findet man unter anderem den gesamten Shopinhalt in PDF-Form. Praktisch für die, die ohne Cookies surfen. Hier bekommt auch ihr endlich Inhalte gezeigt!
Der Shop rankt gerade mal für 17 relevante Keywords, doch selbst bei einer sehr spezifischen Suche wie „TSG 1899 hoffenheim fanshop“ findet er sich erst auf Position 86 wieder.
Abgesehen von diesem kaum zu überbietenden Fauxpas, bietet die Seite noch in vielerlei anderer Hinsicht reichlich Angriffsfläche. Diese werden im Folgenden jedoch nur kurz aufgelistet:
- keine Shopping-Ergebnisse bei Google vorhanden
- kaum Bilder im Index
- Temporäre Weiterleitungen der Startseite (http->https)
- Verwendung von Session-ID’s und damit auch keine sprechenden URL’s
- Keine Verwendung von Canonicals
- Keine Universal Search Ergebnisse vorhanden
- Keine Artikelbeschreibungen vorhanden
- Es gibt keine Seitenstruktur/Dokumentengliederung (H1,H2 Überschriften)
- Meta-Tags wie Description, Keywords werden nicht genutzt
- Interne Links werden durch JavaScript realisiert
Fazit: Der Hoffenheim Fan Shop… ohne Worte.
Insgesamt kann man also festhalten, dass es um die Sichtbarkeit der Online-Fanshops nicht besonders gut steht. OnPage gibt es noch viel Potenzial, das bis jetzt ungenutzt ist. Hier sollte von den Shopbetreibern nicht erwartet werden, dass die Fußballfans auch dem jeweiligen Online-Fanshop treu sind. Nur die ersten Plätze bei Google zählen!
Also immer daran denken: Beim Sport und auch bei der Suchmaschinenoptimierung lohnt es sich, am Ball zu bleiben. In diesem Sinne wünschen wir allen Fans und allen Fanshops eine tolle Bundesliga Saison 2011!





Das ist einfach erklärt, da die Vereine den hauseigenen Onlineshop meist nur als notwendiges Anhängsel ihres Webauftritt sehen. Viele Fans finden den Weg dorthin trotzdem und kaufen auch lieber direkt bei den jeweiligen Clubs ein, als über Treffer der Preissuchmaschinen, weil sie denken, damit die Herzblut-Mannschaft besser zu unterstützen. Hatte deswegen schon irrsinnige Diskussionen…