Der eigene Visibility Rank – Fragestellungen über den Nutzen von Sichtbarkeitsindizes

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Die Veröffentlichungen der zahlreichen Gewinner und Verlierer Listen bezogen auf das Panda Update haben die Diskussion über den Sinn und die Einschränkungen von Sichtbarkeitsindizes wieder in den Fokus des Interesses vieler SEOs gebracht. Unter welchen Voraussetzungen lassen sich Rückschlüsse auf den realen Traffic ziehen und wie lässt sich die Relevanz eines Index erhöhen?

Kann man anhand des Visibility Ranks einer Domain auf den tatsächlichen Traffic schließen?

Eine pauschale Antwort lässt sich auf diese Frage nicht geben und hängt stark von der Website bzw. Branche ab. Der SEOlytics Visibility Rank (SVR) setzt sich aus den Platzierungen einer Website in den organischen Google Resultaten zu bestimmten Keywords zusammen, je höher die Platzierung desto besser. Zusätzlich werden die Keywords nach ihrem lokalen Suchvolumen und dem durchschnittlichen CPC gewichtet. Der SVR besitzt demnach im Vergleich zu Indizes anderer Anbieter auch eine kommerzielle Komponente. Betrachtet man also die Zusammensetzung von Sichtbarkeitsindizes, so ist es einfach nachzuvollziehen, dass sich lediglich Rückschlüsse auf den organischen Suchtraffic schließen lassen, jedoch nicht auf alle anderen Trafficquellen einer Website, wie Social Media, Type-In Traffic, Textanzeigen, Display und andere Quellen. Ein Vergleich von Sichtbarkeitsindizes mit dem gesamten Traffic einer Website ist somit wenig sinnvoll, sofern der gesamte Traffic nicht überwiegend aus organischem Suchtraffic besteht.

Visibility Rank = Organischer Suchtraffic?

Auch diese Frage kann man nicht pauschal mit “Ja” beantworten. Bei der Berechnung eines Sichtbarkeitsindex kann grundsätzlich nur ein Referenzkeywordset berücksichtigt werden, welches je nach Anbieter in der Anzahl der Keywords als auch bei den Keywords selbst variiert. Beim SEOlytics Visibility Rank sind das einige hunderttausend Keywords mit einem bestimmten Level an kommerzieller Relevanz (Auswahl z.B. nach Suchvolumen und CPC). Je größer nun die Übereinstimmung der Keywords, über welche die Website wirklich Traffic bekommt, mit den Keywords, die zur Berechnung des Index herangezogen werden, desto relevanter ist der Index. Websites, die ein sehr spezifisches, eingeschränktes Themengebiet behandeln, z.B. eine Informationsseite über die Entwicklung der isländischen Kultur im 18. Jahrhundert, oder sehr stark von Longtail-Traffic abhängen, z.B. ein Onlineshop für Modelleisenbahn-Ersatzteile, werden nur zu wenigen Keywords, die auch in die Indexberechnung einfließen, relevante Platzierungen erreichen. Eine weitere Einschränkung ergibt sich für Websites mit stark saisonal abhängigem Traffic, da die Keywords mit Jahresdurchschnittswerten für Suchvolumen und CPC gewichtet werden. Eine Website, die sich mit dem Thema Ostereier beschäftigt, kann das ganze Jahr über konstante Rankings zu den relevanten Begriffen haben, aber um Ostern herum wird sie natürlich ein vielfaches an Traffic haben als im restlichen Jahr.

Websites mit überwiegend Shorthead Traffic

Websites, die auf eine eingeschränkte Anzahl an lukrativen Keywords optimieren, werden in Sichtbarkeitsindizes in der Regel gut erfasst. Auch wenn natürlich längst nicht alle Keyword-Rankings in die Berechnung einfließen können, so gilt dies auch für die Konkurrenten und das relative Kräfteverhältnis bleibt gewahrt.

Websites mit einem hohen Anteil an Longtail Traffic

Für Websites, die einen großen Teil Ihres Traffic über Longtail Suchphrasen erhalten, ist die Aussagekraft eines Sichtbarkeitsindex somit zwar eingeschränkt, aber trotzdem noch gegeben. Im folgenden Beispiel sehen wir eine Website, genauer gesagt ein Forum,  welches in den letzten 12 Monaten über ca. 830.000 verschiedene Suchphrasen rund 2,4 Millionen Unique Visits über Google DE bekommen hat. Obwohl nur gut 2% der Suchphrasen in die Berechnung des SVR einfließen, spiegelt die SVR Kurve doch recht gut den Traffic Verlauf wieder. Dies muss allerdings nicht zwangsläufig der Fall sein.

Wie erkenne ich, ob der Sichtbarkeitsindex einer Website aussagekräftig ist, oder nicht?

Der erste Hinweis ist ein vergleichsweise niedriger absoluter Wert. Anschließend sollte überprüft werden, zu welchen Keywords das jeweilige Tool überhaupt Platzierungen gefunden hat und ob diese Keywords das Thema der Website adäquat wiedergeben. Hat eine Website zum Thema Rasenpflege beispielsweise einen SVR von 0,005 und wird nur zu den Keywords “Aquarien sauber halten”, “Die schönsten Zierfische” und “Lady Gaga” auf den Ergebnisseiten 8 – 10 gefunden, so hat der Sichtbarkeitsindex nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft. Wenn das Tool in seiner großen Keyworddatenbank viele wichtige Keywords zur Domain kennt, dann ist davon auszugehen, dass diese sich auch im Visibility Rank wiederfinden. Um den Limitierungen solcher Analysen entgegen zu wirken empfiehlt es sich ohnehin, die wichtigsten Keywords und Money Maker für sich und die Konkurrenten im Tool anzulegen und die Positionen tagesaktuell zu überwachen. Auf diese Weise ist man schnellstmöglich über Veränderungen informiert und kann frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Die ersten Rückmeldungen von SEOlytics Kunden zum Panda Update bekamen wir beispielsweise bereits am Samstagmorgen.

Client Visibility Rank – Eine eigene Tool-Datenbank

Da ein allgemeiner Sichtbarkeitsindex mittels eines Referenzkeywordsets versucht, den bestmöglichen Querschnitt durch alle Branchen zu bilden, liegt es nahe, eine eigene Datenbasis bezogen auf die eigene Branche für detailliertere Analysen zu nutzen. Dazu ist es notwendig, alle wichtigen Keywords für das eigene Geschäft abzudecken – durch das selbst bestimmte Referenzkeywordset passt der Visibility Rank dann ziemlich genau. Mit einem intelligenten Cleanup ist es möglich z.B. die eigenen Logfiles auszuwerten und daraus einen relativ großen Index zu erstellen. Bereits Seit Anfang des Jahres bietet SEOlytics ausgewählten Kunden einen „Client Visibility Rank“ (CVR) an. Im folgenden Beispiel ist die anonymisierte Kurve eines lokalen Branchenbuchdienstleisters dargestellt, der CVR enthält 175.000 Keywords. Im Vergleich zum ersten Beispiel kann man sehen, dass die Kurven entsprechend besser zueinander passen, insofern die Relevanz deutlich steigt.

Ein weiterer Vorteil eines eigenen Index ist die Möglichkeit, den dahinter stehenden Algorithmus mitzubestimmen, so gibt es zum Beispiel Kunden welche Conversiondaten in die Gewichtung mit einfließen lassen. Der CVR steht komplett für das SEO & SEM Modul zur Verfügung und kann bequem per Tab wie auch die Länderdatenbanken zu Deutschland, Schweden, etc. umgeschaltet werden. Die eigene Datenbank steht natürlich nur für den eigenen User zur Verfügung und die Daten werden nicht mit den allgemeinen Daten vermischt.

So ist es dann möglich, ganz gezielt Wettbewerbsvergleiche auf den für die Branche wichtigen Keywords durchzuführen. Am meisten profitieren davon Unternehmen, die stark lokal bzw. im Longtail ihr Geld verdienen. Beispielsweise Reiseanbieter (Hotels & Städte), Onlineshops (viele Produktnamen), Branchenbücher, etc.. Je mehr die eigenen Möglichkeiten die relevanten Keywords auszuwählen bzw. mit eigenen relevanten Kennzahlen (Conversion, etc.) anzureichern genutzt werden, umso besser die Aussagekraft. Ein Benchmarking mit 10 Domains auf einer solchen Datenbank gibt dann ein ziemlich genaues Bild über den Wettbewerb. Auch weitere Funktionen wir Keywordanalyse auf Basis von Unterverzeichnissen und URLs geben Aufschluss darüber, wie der Konkurrent „tickt“. Ein solcher CVR (mit den verfügbaren Unterfunktionen) kann aber auch einen Teil des Reportings ersetzen.

Fazit

Sichtbarkeitsindizes stellen eine Kennzahl dar, welche die Performance einer Domain in den organischen Google Suchresultaten wiedergibt. Rückschlüsse auf den Traffic sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich, jedoch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Je mehr Keywords, über die eine Domain Traffic erhält, auch zur Berechnung des Index herangezogen werden, desto relevanter ist er. Ein „Allheilmittel“ zur Analyse kann und will eine solche Kennzahl niemals sein und wie in anderen SEO-Belangen ist bei der Auswertung jeglicher Kennzahl eine gute Portion gesunder Menschenverstand gefragt, um die Relevanz für betrachtete Projekt zu beurteilen. Die Möglichkeit, weitere Funktionen und Analysen auf dem komplett eigenen Keywordset zu nutzen, ermöglicht allerdings zahlreiche detaillierte Erkenntnisse, die Mitbewerbern in dieser Form nicht möglich sind.

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4 Antworten auf Der eigene Visibility Rank – Fragestellungen über den Nutzen von Sichtbarkeitsindizes

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  2. Sebastian sagt:

    Hallo,

    Das mit dem CVR klingt ziemlich interessant. Wäre wohl sehr spannend, das Feature mal zu testen!

    Ich melde mich wohl mal in der nächsten Zeit bei Euch.

    Gruß,
    Sebastian

    P.S. danke für’s verlinken ;-)

  3. Marcus sagt:

    Ja, ich glaube auch das die vielfache Fehleinschätzung von Usern darin liegt den Traffic einer Website 1:1 in Zusammenhang mit den Rankings ihrer Hauptkeywords zu bringen ohne dabei im Fokus zu haben, dass sie oft einen Großteil des Traffics über einmalig, zweimalig oder auch dreimalig pro Monat gesuchte Phrasen bekommen – den Lontail.
    Entsprechend dieser Vorstellung können aber auch nur die SEO-Tools wie eben z.B. Seolytics arbeiten. Es wird ein Keywordset bestimmt, dass je nach Anbieter mal größer oder mal kleiner ausfällt, die Auswahl der Keywords unterliegt den SEO-Experten der Toolanbieter kann aber weitgehend nur den trafficstarken Shorthead oder maximal noch den Longtail abbilden (woher soll der Longtail auch in die Datenbank kommen? Millionenfach durch Keywordkombinationstools selbst ausdenken lassen?).
    Was dann nach der Kalkulation dieser Rankings rauskommt ist natürlich bei den meisten Websites eben nicht entsprechend dem Traffic!

    Trotzdem finde ich, dass uns solche SEO Tools einen echten Mehrwert in der Optimierungsarbeit einer Domain bieten können. Nur mit SEO-Tools kann ich meine Domain im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern sehen und nur so sehe ich wie ich meine eigene Website im Vergleich(!) zu den anderen optimiert habe.

    Von daher glaube ich aber auch, dass solche Kurven wie in diesem Beitrag gezeigt (echter Traffic entspricht dem SVR) sehr schöne Korrelationen sind, allerdings sollte man sich nicht für jede Domain darauf verlassen.

    Trotzdem ein sehr interessanter Beitrag, danke dafür!

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