Auf der dmexco hat uns Mr. Website Boosting Prof. Dr. Mario Fischer am SEOlytics Stand besucht und neben dem fachlichen Austausch und der Erläuterung neuer Features haben wir die Gelegenheit genutzt und ein kleines Interview mit ihm geführt.
Sebastian: Was sind deine Messe-Highlights? Was hat dir besonders gut gefallen und was konntest du Neues auf der dmexco entdecken?
Mario: Positiv aufgefallen ist mir, dass sich die Messe deutlich vergrößert hat. Letztes Jahr fand sie noch in einer Halle statt, in diesem Jahr sind es schon zwei. Wenn man sichauf der Messe ein wenig umschaut, dann stellt man schnell fest, dass bei den großen und wichtigen Ausstellern keiner Zeit hat, da sie alle von Kunden belagert werden. Das Interesse ist sehr hoch, wie man ja an eurem Stand sieht. Von einigen Messebesuchern habe ich gehört, dass sie sogar Probleme haben Gespräch-Slots bei den Firmen zu bekommen. Mit diesem enormen Andrang hat wohl keiner gerechnet. Das ist ein wesentlicher Punkt, der mir sehr positiv aufgefallen ist. Das zeigt, dass die Branche boomt und ich bin gespannt, wie es in den nächsten Jahren weitergeht.
Ansonsten hat sich bei den SEO-Tools einiges getan. Jede Menge interessante neue Features, die man im Detail eigentlich gar nicht alle aufzählen kann. Alle Anbieter haben an Ihrer Datenbasis und Ihrer Performance gearbeitet und diese verbessert. Auch hier stellt man eine starke Professionalisierung fest, was ich ebenfalls als sehr positiv wahrnehme.
Sebastian: Welches sind denn Features, die du persönlich häufig nutzt und die du besonders gut findest – oder gibt es Features, die so bisher noch kein Tool hat, die du aber schmerzlich vermisst?
Mario: Zunächst sollte man unterscheiden, wer das Tool nutzen möchte. Je nachdem, ob es von einem Profi oder von einem Unternehmen verwendet wird, das sich erst einmal einen Überblick verschaffen möchte, sind die Ansprüche natürlich verschieden.
Für die Profis ist eine saubere Backlinkanalyse sehr wichtig. Bisher war es nicht so einfach, verlässliche Informationen über die Backlinks zu bekommen und damit meine ich nicht nur die bloße Anzahl, sondern auch die Kennzahlen dahinter wie IP-C-Netze, Anker-Text, DoFollow/NoFollow und andere.
“Jeder SEO hat einen anderen Ansatz…”
Zusätzlich sollte die verlinkte Domain eine eigene Kennzahl bekommen, je nachdem wie wertvoll sie ist – ob es sich beispielsweise um einen Blog handelt oder ein großes Nachrichtenportal handelt. Als professioneller SEO kann man da eigentlich nicht genug Vergleichswerte bekommen, wobei natürlich jeder andere Ansprüche hat.
Ich würde mir wünschen, dass man die Tools besser konfigurieren könnte, um sie an die eigene Arbeitsweise anzupassen. Die Zahlen, die mir das Tool liefert, würde ich gerne zu eigenen Kennzahlen verrechnen können. Jeder SEO hat einen anderen Ansatz und eine andere Philosophie. Individualisierung ist da etwas, was aus meiner Sicht noch fehlt. Bei einem geht es um den Reach, also möglichst viele Links, der nächste möchte möglichst starke Links und so weiter. Hier wäre es schön, sich die Kennzahlen selbst zusammenstellen zu können.
Sören: Zu dem Thema hast du ja auch auf der Campixx ein Panel gehalten und im Zuge dessen ein Folgeprojekt angekündigt. Gibt es da bereits Neuigkeiten?
Mario: Daran arbeiten wir schon eine ganze Zeit. Es hat sich aber als sehr schwierig herausgestellt, da Kernzahlen – die man eigentlich dazu bräuchte – nicht ohne Weiteres zu bekommen sind.
Auch das wäre vielleicht eine Anregung für die SEO-Tools – eine transparente Werteermittlung für Keywords. Da gibt es die bekannten Quellen wie zum Beispiel Google AdWords, aber diese Daten sind oft nicht verlässlich. Das Problem hierbei ist, dass wenn man dann diese Daten zur Beurteilung eines Sets von 200, 2.000 oder noch mehr Keywords heranzieht, steigt die Wahrscheinlichkeit für Fehler. Ein falsch beurteiltes Keyword fällt dabei noch nicht so sehr ins Gewicht, eine Fehlerquote von 15%, 20% oder 30% sorgt hier allerdings schon für massive Fehleinschätzungen.
“Da fehlt einfach die Transparenz oder eine Standardisierung.”
Das Delta zwischen dem tatsächlichen Anspruch – also der Wirklichkeit – und dem, was das Tool auswirft, ist dann relativ groß. Da brauchen wir noch verlässlichere Daten und es ist wirklich nicht einfach sie zu bekommen, vor allem, wenn man transparent arbeiten möchte.
Das Problem existiert bei vielen Tools. Man weiß leider nie, wie die eigenen Kennzahlen zustande kommen. Es nützt nichts, wenn man sich das Tool ansieht und dann steht in dem einen ein Index von 38,7 und in dem nächsten einer von 268. Gleichzeitig wird aber auch nicht gesagt, was das zu bedeuten hat. Das ist, als wenn im Fernsehen gesagt wird, dass in einem Land eine Mineralwasserflasche 38.000 „Knopinskis“ kostet, aber verschwiegen wird, wie viel das in Euro ist. Da fehlt einfach die Transparenz oder eine Standardisierung.
Sebastian: Klar, da gebe ich dir Recht. Bei Sichtbarkeitsindizes hat man als Tool-Anbieter dann jedoch schnell das Problem, dass man sich durch die Offenlegung der Keyword-Basis für Manipulationen öffnet.
Mario: Natürlich, aber umgekehrt ist es für die Anwender eben auch nicht leicht.
Sebastian: Eines der prägenden Themen der letzten Zeit waren der Social-Media-Bereich und damit der Einfluss von sozialen Signalen auf das Ranking in Suchmaschinen.Was glaubst du, welchen Einfluss kann das tatsächlich haben – gerade jetzt, wo Google keine Daten mehr von Twitter erhält? Von Facebook haben sie ja ohnehin nie welche bekommen…
Mario: Ich würde nicht sagen, dass Google von Facebook keine Daten erhalten hat, denn an die Daten von Facebook kommt ja prinzipiell jeder irgendwie ran. Schon Studenten im ersten Semester gehen über den Graphen rein und rechnen Potentiale von Facebook-Nutzern aus. Ich weiß nicht, ob Google so etwas macht, aber gehen würde es theoretisch.
Sören: Mat Cutts hat glaube ich vor einigen Wochen gesagt, dass sie das nicht täten…
Mario: Ich würde auch vermuten, dass sie das nicht machen. Sie haben ja selbst so viele und gute Daten, gerade durch Ihren eigenen Browser Chrome. Als Suchmaschinenbetreiber muss ich auch eigentlich nur wissen, welches Thema eine Seite hat. Dieses muss ich zum einen anhand der Seite selbst bestimmen, aber eben auch über externe Faktoren wie beispielsweise Link-Metriken. Zum anderen muss ich als Suchmaschine die tatsächlichen Besucherdaten, die ich über Tool-Bars, eigene Browser und andere Quellen erhalte, auswerten und hochrechnen. Dadurch stellt man fest, ob auf der Seite wirklich was los ist und woher der Traffic kommt. Ich glaube, dass das ganz wichtige Signale sind und wenn Google diese Daten nicht hat, wer hat sie dann?!?
“Mit Google+ kommt jetzt noch eine weitere Möglichkeit hinzu”
Mit Google+ kommt jetzt noch eine weitere Möglichkeit hinzu, relativ schnell viele Daten zu erfassen, die es Google ermöglichen quasi auf den Account bezogene Daten zu erheben. Man kann das ja schon bei Google Knol sehen, wo man Artikel publiziert, in denen zunächst alle Links nofollow sind. Stellt Google fest, dass der Content gut ist und auch von anderen Nutzern oft gelesen wird, erhält der Nutzer einen besseren Status und alle Links werden auf dofollow gestellt. Dadurch bekommt man dann Backlinks von Google.com. Wie hochwertig diese dann sind, ist ein anderes Thema.
Das zeigt, dass man sehr gut dazu in der Lage ist, diese Daten automatisiert zu erfassen und es den SEOs so schwieriger zu machen. Natürlich können bei Google+ Fake Accounts angelegt werden, aber wenn man das im großen Stil macht, hinterlässt man Footprints und es passieren Fehler. Auch wenn es eine gewisse Zeit funktioniert, irgendwann fällt es Google dann doch auf und du fliegst raus.
Ich glaube, dass es für die Zukunft ein wichtiges Signal ist, zu gucken, was den Menschen wirklich gefällt und nicht nur darauf, was diese kaufen wollen. Man muss also darauf achten, welche Blogs, welche Websites, welche Firmen und welche Marken gut ankommen. Da wird schon viel gemessen und das ist sicherlich ein wesentlicher Punkt, um die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern. Auch für die SEO-Tools wäre es dann wichtig, das messen zu können. Zumindest ansatzweise sollte die Sicht der Suchmaschine simuliert werden können, um aus den Ergebnissen die entscheidenden Schlüsse ziehen zu können.
Sebastian: Vielen Dank für das Interview!

