Hat Googles Knowledge Graph die Weltanschauung verändert? Wie hat sich das Feature seit seiner Einführung in Deutschland entwickelt? In welche Richtung wird die Reise weiter gehen? Was hat sich in der Darstellung der SERPS verändert?

Die Einführung des Knowledge Graph in Deutschland am 5. Dezember 2012 fand große Beachtung in der SEO- und Online-Marketing-Szene. Auch in den Medien wurde ausführlich über Googles neue semantische Websuche berichtet. Seitdem sind 100 Tage vergangen (15. März 2013) – und als eines der ersten SEO-Tools weltweit haben wir ab sofort den Knowledge Graph in SEOlytics integriert. Wir denken, es ist an der Zeit eine erste Bilanz zu ziehen und einen zweiten Blick auf Googles semantische Websuche zu werfen.

 Knowledge Graph Douglas Adams

Google steuert mit dem Knowledge Graph Bilder und Informationen zu „wichtigen Personen, Plätzen oder Dingen“ aus. Neben den Angaben zu unzähligen Ländern und Städten lösen bislang hauptsächlich viele Personen wie aktuelle Künstler und Musiker sowie Filme und TV-Serien den Knowledge Graph aus. Ähnlich wie Instant Answers befinden sich die Angaben direkt auf den Suchergebnisseiten, werden aber in einer zweiten Spalte rechts neben den organischen Ergebnissen dargestellt. In der Konsequenz muss man – bei einer oberflächlichen Recherche – die Ergebnisseite der Suchmaschine nicht mehr verlassen. In unserem Blogpost zur Einführung des Knowledge Graph findet ihr dazu Beispiele, viele Screenshots und weitere Infos dazu, wie Google versucht die User immer länger im „System Google“ zu behalten.

 

Der Knowledge Graph in SEOlytics

Bei SEOlytics haben wir den Anspruch, die Realität innerhalb der Suchergebnisse den SEOs zur vollständigen Analyse zur Verfügung zu stellen. In den Google SERPs beeinflussen Universal Search Einblendungen (Bilder, Videos, etc.) und natürlich auch der Knowledge Graph die Aufmerksamkeit des Betrachters und ziehen den Blick auf sich. Deshalb erkennt unsere Software alle Universal Search Einblendungen (s. Universal Search Verteilung in Deutschland und Österreich) und gibt diese ungefiltert weiter – z. B. können bei uns auch Finanzen und Wettereinblendungen vollständig analysiert werden. Unserem Grundsatz der hohen Datenqualität bleiben wir treu und sind – nach Aufnahme der Product Listing Ads (PLAs) – mit der Anzeige des Knowledge Graph erneut Vorreiter unter den SEO-Tools.

Bereits jetzt führen 4% der Suchanfragen in Deutschland dazu, dass der Knowledge Graph ausgesteuert wird. Seine Bedeutung wird zukünftig noch deutlich wachsen, wie ein Blick auf die USA verrät: dort wurde er bereits ein halbes Jahr früher eingeführt und wird aktuell schon zu 9% aller Suchen ausgesteuert.

 Häufigkeit Knowledge Graph in Suchergebnissen

In SEOlytics erkennt unser Tool nicht nur, dass zu einem bestimmten Keyword der Knowledge Graph ausgesteuert wird, wir differenzieren zudem zwischen Texten und Bildern, die angezeigt werden. Die Daten sind in SEOlytics im SEO Research Modul in den Organischen Rankings, in den Universal Search Rankings und im SERP Trend dargestellt. Zudem wird der Knowledge Graph auch auf den individuellen Keywordsets im SEO Monitoring ausgesteuert. Und selbstverständlich haben wir auch unsere Typenfilter entsprechend erweitert, sodass ihr euch mit nur einem Mausklick z. B. alle Ergebnisse mit Bildern im Knowledge Graph anzeigen lassen könnt.

 Wikipedia Knowledge Graph in SEOlytics

 

Bilder und Texte im Knowledge Graph

Die exponierte Darstellungsweise des Knowledge Graph zieht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Man kann sich gut vorstellen, dass deutlich mehr Klicks erfolgen, wenn man im Kopf des Knowledge Graph mit einem Bild auftaucht. Wenn dort Bilder erscheinen, sind es meistens mehrere auf einmal – Tendenz deutlich steigend. Im Vergleich werden in den USA durchschnittlich 52% mehr Bilder ausgesteuert als in Deutschland.

Die Darstellung ist so prominent, dass wir den Knowledge Graph in der Universal Position (globale Zählweise aller Elemente, NICHT Universal Search) vorangestellt haben. Die Zählweise der Bilder innerhalb des Knowledge Graph erfolgt in Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten.

 Helge Schneider Knowledge Graph

Augenscheinlich fällt eine Besonderheit bei Bildern auf, wenn sie im Knowledge Graph angezeigt werden: Häufig gibt es keine gleichzeitige Einblendung von Universal Search Bildboxen mehr. Die Vermutung liegt nahe, dass Google die Bilder nach und nach aus den Universal Search Ergebnissen in den Knowledge Graph zieht, da dort ihre Präsentation deutlich attraktiver ist. Noch optimiert Google die semantische Websuche weiter und es gibt auch noch Beispiele, wo – wenn der Knowledge Graph mit nur einem Bild ausgesteuert wird – zusätzlich noch Universal Search Bilder eingeblendet werden.

 Jennifer Lopez Knowledge Graph

Wenn Bilder vermehrt aus den normalen Suchergebnissen in den Knowledge Graph wandern, finden wir es umso wichtiger, dass dem User keine Informationen verloren gehen und deshalb bildet jetzt SEOlytics auch diese Informationen mit ab.

Aber nicht alle Knowledge Graph Einblendungen umfassen tatsächlich Bilder. Ein Blick auf unsere Daten im Rechencluster verrät: nur gut zur Hälfte (57%) werden Bilder ausgesteuert. Häufig wird neben dem Text auch lediglich eine Map (die wir nicht als Bild werten) oder auch alleine der Text angezeigt, wie dieses „Bezirk“ Beispiel zeigt:

 Knowledge Graph Bezirk

Vergleicht man diese Daten aber mit denen aus den USA, wo der Knowledge Graph bereits 6 Monate früher gelauncht wurde, kommt man zu der Erkenntnis, dass Google zukünftig den Anteil der Bilder in Deutschland weiter ausbauen wird. Denn in den USA enthalten drei Viertel (75%) der Knowledge Graph Einblendungen Bilder.

Häufigkeit Bilder im Knowledge Graph angezeigt

Den kurzen Informationstext beinhaltet der Knowledge Graph immer, da gibt es keine Ausnahme. In Deutschland wird dieser bislang ausschließlich über die Wikipedia generiert. In den USA gibt es bereits zwei weitere Informationsquellen: Einerseits das National Institute of Health (nih.gov), von dem Informationen zu Medikamenten und Wirkstoffen bezogen werden – von Adrenaline bis THC. Andererseits books.google.com, worüber sich der Knowledge Graph die Informationen zu Büchern zieht.

In der Darstellung konnten wir zahlreiche unterschiedliche Knowledge Graph Typen identifizieren: Von einer einzelnen großen Map über diverse Bildvariationen bis zum Slide-Out-Knowledge Graph, bei dem weitere Informationen erst nach dem Öffnen des Slider sichtbar werden. Vielleicht ein Test von Google um mehr ScreenEstate für Werbung nutzen zu können? Google scheint diesbezüglich mit seinen Variationen-Tests noch nicht am Ende zu sein. Hier findet ihr einige Beispiele zusammen gestellt:

[nggallery id=13]

 

Einfluss von Google+ Profilen auf den Knowledge Graph

Das amerikanische Website Magazine berichtete in der Januarausgabe 2013 von einer Untersuchung, der zufolge lediglich 24% der amerikanischen Top-100 Marken einen Knowledge Graph triggern. Interessanterweise besaßen von denen 92% einen Google+ Eintrag.

Auf die deutschen SERPs ist das Ergebnis jedoch (noch) nicht übertragbar. Schaut man sich beispielsweise die 30 Dax-Unternehmen an, so steuert Google.de momentan nur zu einem von ihnen einen Knowledge Graph aus (Münchener Rückversicherung). Dabei sind bereits 70% der Dax Unternehmen auf Google+ vertreten – aber ausgerechnet nicht die Münchener Rückversicherung. Diese Umstände legen die Vermutung nahe, dass ein Google+ Profil das Erscheinen im aufmerksamkeitsstarken Knowledge Graph begünstigt – und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Google dies auch für Deutschland umsetzt.

 

SEO-Potenziale im Knowledge Graph

Mit dem Knowledge Graph gewinnt Bilder-SEO weiter an Bedeutung, da die Bilder entsprechend prominent dargestellt werden. Bleibt abzuwarten, wie stark sich dies auf den Traffic auswirkt.

Vielleicht kann ja Mr. Bilder SEO „Martin Mißfeld“ diesbezüglich Licht ins Dunkel bringen. Wie zu erwarten rankt er mit einigen Bildern aus seinem tagseoblog.de im Knowledge Graph und könnte die Trafficentwicklung auf diesen Keywords ja einmal im Auge behalten:

Tagseoblog.de in SEOlytics

Zu „Jim Henson“ mit einem Porträt aus seinem Blogpost zum interaktiven Muppet-Show-Doodle, das er interessanterweise selbst von thefullwiki.org übernommen hat.

Jim Henson Knowledge Graph

Zu „Tschaikowsky“ wird sogar das erste große Bild im Knowledge Graph von Martin angezeigt und verlinkt auf seinen Beitrag zu Tschaikowskis Google Doodle zum 170. Geburtstag.

Tschaikowsky Knowledge Graph

Zusätzlich ist es für viele Brands natürlich attraktiv, selbst den Knowledge Graph auszulösen. Touristenattraktionen, in Hamburg z. B. Musicals wie Sister Act oder Tarzan, aber auch das Miniaturwunderland und der Hamburg Dungeon, profitieren sicherlich schon jetzt von der prominenten Darstellung – in ihrer Wahrnehmung und den Trafficzahlen.

Und wie sieht’s bei euch aus? Habt ihr bereits Trafficveränderungen durch den Knowledge Graph registriert? Wenn ihr eure eigenen Keywords auch hinsichtlich des Knowledge Graph beobachten und analysieren wollt, könnt ihr das ab sofort im SEOlytics SEO Monitoring machen.

Alle Daten wurden im März 2013 durch unsere SEO Research Dantebanken für Deutschland und USA ermittelt.

 

Das könnte dich auch interessieren: Google launcht den medizinischen Knowledge Graph

Beitrag weiterempfehlen

12. März 2013 | von Jens | 16

Zu diesem Beitrag können keine Kommentare mehr abgegeben werden.