Eine fundierte Keyword-Recherche ist ausschlaggebend für den Erfolg eurer Projekte, egal ob ihr einen Online-Shop betreibt oder eine informative Website führt. Doch die Herausforderung besteht darin potenzielle Suchbegriffe, die der Nutzer in die Suchmaschine eingibt, überhaupt erst einmal zu identifizieren. Wir bieten euch praktische Hilfestellungen wie ihr bei eurer Recherche vorgehen könnt. Dazu gehen wir auf unternehmenseigene Daten und Quellen ein, die ihr dazu verwenden könnt wertvolle Schlagwörter aufzuspüren und erläutern das Potenzial Sozialer Netzwerke, um nutzerspezifisches Wording und Synonyme in eure Recherche einzubinden.

 

Warum Keyword-Recherche?

Tagcloud Keyword-Recherche

Im Internet könnt ihr nur zu Dingen gefunden werden, über die ihr auch auf eurer Seite schreibt. Mit Inhalten, die ihr nicht ausführlich genug erwähnt, könnt ihr auch nicht in den organischen Suchergebnissen gefunden werden. Die Keywords in eurem themenspezifischen Content bilden die Grundlage für die Rankings, die basierend auf dem Algorithmus der Suchmaschine erstellt werden. Nutzer von Suchmaschinen bedienen sich einer großen Anzahl von unterschiedlichen Begriffen und Fragen, um ihre Anliegen zu formulieren.

 

Die Schwierigkeit bei einer Recherche besteht darin, sich in die verschiedenen Nutzer hineinzuversetzen, um alle möglichen Schlagworte, die nach Meinung der Suchenden zum Ziel führen, zu erfassen. Die Herausforderung einer Keywordrecherche ist also, alle potenziellen Suchbegriffe für ein Produkt oder ein Thema zusammenzutragen und den entsprechenden Themenkanälen zuzuordnen. Die Basis bilden dabei die Inhalte eurer Website oder die Produkte, die euer Online-Shop anbietet.

 

Ideen für Keywords recherchieren

Oft wird vergessen welche „Daten-Schätze“ im eigenen Unternehmen noch schlummern, welche die Qualität des zu erstellenden Sets deutlich verbessern können. Für ein gutes Keyword-Set sollte man nicht zu früh anfangen „extern“ zu recherchieren, denn niemand kennt das eigene Business besser als man selbst. Sichtet zuerst die im Unternehmen vorliegenden Daten, bevor ihr zu irgendwelchen Tools greift. Im Folgenden ein paar Ansätze:

 

Schritt 1: Unternehmensinterne Daten und eigenes Brainstorming

Euer Produktportfolio sollte die Grundlage für die erste Keywordrecherche bilden. Zieht in diesem Zusammenhang alle verfügbaren Informationen aus eurem ERP-System zurate. Dies können Daten aus den Bereichen Produktmanagement, Verkauf, Marketing usw. sein. Analysiert Produkt-, Bestseller- oder Neuheitenlisten und die detaillierten Produktbeschreibungen. Wenn euer Online-Shop nicht der einzige Vertriebsweg darstellt, auf dem ihr eure Produkte verkauft, lohnt es sich andere relevante Abteilungen nach Begrifflichkeiten zu befragen. An dieser Stelle ergibt sich zudem der Vorteil, die Perspektive auf das Produkt zu wechseln. Wie wird euer Produkt seitens des Lieferanten genannt und wie nennt es ein Kunde, der ausschließlich per Telefon bei euch bestellt? Vermuten könnte man an dieser Stelle, dass ein Kunde, der nicht affin im Online-Shopping ist und andere Bestellmöglichkeiten nutzt, auch ein anderes Vokabular verwendet. Die nun erstellte Liste könnt ihr mittels Brainstorming mit Kollegen komplettieren und weitere Synonyme und sinnverwandte Begriffe zu euren Inhalten und Produkten ausfindig machen. Verkauft ihr beispielsweise „Papierkörbe“, werdet ihr schnell herausfinden, dass mögliche Synonyme „Mülleimer“ oder auch „Abfalleimer“ sein können. Ein Vergleich der drei Begrifflichkeiten in der Funktion Google Trends macht deutlich, dass in allen drei Schlagworten in den letzten 12 Monaten ein Interesse bestand.

 

Google Trends Abfrage "Papierkorb"

 

Nach „Papierkorb“ wurde in dieser Zeit verstärkt gesucht, doch der „Mülleimer“ holte jüngst bereits auf. Ihr solltet also Keywords nicht voreilig ausschließen, da ihr annehmt ein bestimmtes Keyword lohne sich nicht zur Beobachtung.
Das Aufspüren sinnverwandter Wörter gewährleistet, dass Nutzer auch auf Umwegen zu euren Inhalten gelangen. Bietet ihr beispielsweise Heckenscheren an, könnt ihr auch über praktische Techniken und Hilfestellungen in Bezug auf das Beschneiden von Hecken oder Bäumen schreiben. Das Sammeln solcher Wörter bietet euch also zusätzlich wertvolle Ideen, um interessanten Content für eure Seite zu erstellen und verhilft dieser zu mehr Traffic.

 

Hinweis: Wenn ihr bereits Webanalyse-Tools, wie beispielsweise Google Analytics verwendet und eure Besucherdaten über einen auf der Website eingebauten Code ermittelt, könnt ihr diese Zugriffsquellen ebenfalls bezüglich Keywordideen analysieren. Alle Keywords werden hier angezeigt, die in den Suchmaschinen eingetippt wurden und zu euren Inhalten führten. Diese Keywords bieten Anhaltspunkte, Ideen und Denkanstöße, die eine weiterführende Recherche erleichtern. Bietet ihr auf eurer Website eine interne Suchfunktion an, dann wartet hier die nächste Möglichkeit relevante Keywords zu finden. Durch die Analyse der internen Suchwörter erfahrt ihr, wonach die Besucher suchen, wenn sie sich auf eurer Seite befinden und mit welcher Absicht sie zu euch gekommen sind. Identifiziert darüber hinaus auch typische Schreibfehler oder die Nutzersprache.

 

Schritt 2: Betriebsblindheit einschränken

Der zweite Schritt sollte Maßnahmen beinhalten, die den Faktor „Betriebsblindheit“ einschränken. Dazu hilft eine Befragung fachfremder bzw. fachunkundiger Personen, beispielsweise aus eurem Freundes- oder Verwandtenkreis. Diese ermöglicht auch „Laien“-Keywords ausfindig zu machen, an die ihr vielleicht nicht gedacht hättet. Weitet die Suche nach Begriffen aus, die der „Otto Normalverbraucher“ nutzen würde. Denn auch wenn euer Produkt den Begriff „Waschmaschinenvollautomat“ trägt, ist es wohl wahrscheinlicher, dass der Nutzer nach „Waschmaschine“ suchen wird.
Wenn ihr euch bereits eine entsprechende Anzahl von Fans auf den Sozialen Netzwerken aufgebaut habt, könnt ihr diese Kanäle ebenfalls auswerten. Analysiert beispielsweise die Nutzersprache in den Kommentaren unter euren Facebook-Posts. So erfahrt ihr wie eure „Fans“ über eure Produkte sprechen und in welchen Kontext sie diese setzen. Ein Blick auf die Pages der Mitbewerber ist dabei natürlich auch erlaubt, wenn die eigene Community noch nicht umfangreich genug ist. Auch der Einsatz gezielter Posts auf eurer Timeline kann Interaktionen hervorrufen und Keywordideen liefern. Ein Beispiel seht ihr im Falle des Büroartikelanbieters Staples. Der Ausschnitt eines Produktfotos ruft die User dazu auf, das unbekannte Produkt namentlich zu benennen.

 

Facebook-Post "Tipp-Ex"

 

In den Kommentaren werden Keywörter wie „Korrekturroller“, „Korrekturmaus“ oder auch Variationen in der Schreibweise wie „Tippexmaus“ oder „Tip Ex Roller“ angegeben.

 

Kommentare zum Facebook-Post "Tipp-Ex"

 

 

Hinweis: Das Wissen eurer Fans zu nutzen, kann nicht nur auf Facebook erfolgreich sein. Auch Twitter kann für ähnliche Zwecke genutzt werden. Das Hashtag #followerpower wird oft genutzt um gezielt Antworten zu bestimmten Fragen von euren Followern zu erhalten.

 

Twitter #followerpower

 

Schritt 3: Wording berücksichtigen

Im Anschluss ist es wichtig das recherchierte Keywordset noch einmal in Bezug auf das entsprechende Wording zu betrachten. Berücksichtigt werden muss, dass die verschiedenen Zielgruppen auch unterschiedliche Suchverhalten an den Tag legen, andere Formulierungen, verwenden und Sucheinstiege differenziert gestalten. Wonach suchen beispielsweise Wohngemeinschaften, die einen kostengünstigen Mülleimer kaufen wollen im Gegensatz zu einem Facility Manager der beauftragt wurde im Unternehmen professionelle Mülltrennung durchzuführen. Die Begriffe „Wertstoffbehälter“ und „Mülleimer“, die synonym verwendet werden können, sollten demnach beide in eure Betrachtung einbezogen werden. Tippfehler und Variationen in der Schreibweise sind zudem zu beachten. Auch wenn der Duden empfiehlt, das Wort „Rollladen“ mit einem dreifachen „L“ zu schreiben und ihr euren Content auch vehement nach der neuen Rechtschreibung ausrichten wollt, solltet ihr in bestimmten Fällen trotzdem „falsche“ Schreibweisen in eurer Recherche berücksichtigen. Google Trends gibt in diesem Fall Hinweise darauf, welchen Begriff Nutzer eher eingeben.

 

Google Trends Abfrage "Rolladen"

 

Zieht darüber hinaus in Erwägung, dass Nutzer nicht „genau“ wissen wonach sie suchen, sondern durch die Beschreibung eines Problems die Lösung für dieses ausfindig machen möchten. Euer potenzieller Kunde weiß also noch nicht, dass er euch als Gartenzubehör-Shop sucht. Indem ihr bei eurer Recherche mögliche Probleme identifiziert zu denen euer Produkt oder Inhalt die Lösung ist, könnt ihr Nutzer auf eure Seite bringen, die nach einer Antwort auf eine bestimmte Fragestellung suchen („Welche Schere nutze ich zum Buchsbaumschneiden?“). Solltet ihr Schwierigkeiten haben Probleme oder Kontexte zu finden, die für Nutzer in Bezug auf euer Produkt relevant sind, empfiehlt sich die Recherche in themenspezifischen Foren. Mit welchen Themen setzen sich beispielsweise Nutzer des Forums GuteFrage.net auseinander.  Die interne Suche der Forumsseite bringt nach Eingabe des Keywords „Gartenschere“, die folgenden Ergebnisse:

 

gutefrage.net - Interne Suche "Gartenschere"

 

Von Trends inspirieren lassen

Die Beobachtung aktueller Trends lohnt sich. Hilfreich ist der Blick auf themenverwandte Blogs oder Facebook-Seiten, gerade wenn ihr ein junges Publikum erreichen wollt. Faktoren wie Trends, Hypes, Jugendsprache und Modeerscheinungen können hier Ideen für neue Keywords geben und helfen, sich in den Nutzer hineinzuversetzen. Twitter bietet euch die Möglichkeit gezielt nach einem Schlagwort zu suchen, indem ihr Hashtags einsetzt. Die Abfrage nach einem Keyword in Google Trends bietet darüber hinaus die Möglichkeit verwandte Begriffe analysieren zu können, nach denen häufig gesucht wurde. Die Anzeige „Zunehmende“ zeigt in Bezug auf das Beispiel-Keyword „Bundestagswahl“ den Anstieg im Suchvolumen an.

 

Verwandte Begriffe in GoogleTrends "Bundestagswahl"

 

Keyword-Hierarchien darstellen

Beim Zusammentragen all eurer Keywordideen ist es hilfreich die Vielfalt hierarchisch in einem Verzeichnis festzuhalten. Dies könnt ihr ganz einfach mit Excel erledigen, um diese Daten auch für weitere Zwecke weiterverarbeiten zu können. Hier tragt ihr die Haupt- und Unterkategorien eurer Produkte oder Inhalte zusammen und ermittelt anhand dieser Synonyme und sinnverwandte Wörter. Die Betrachtung möglicher Hauptkategorien im Falle eines Online-Shops für Wein macht die mögliche Wortvielfalt sichtbar. Die so entstehende Kanalisierung von Themen dient so als Grundlage für eine kontinuierliche Weiterführung und Weiterentwicklung der Keywordrecherche.

 

Themenkanalisierung mit Excel

 

Hinweis: Die Recherche nach Keywords ist eine Maßnahme, die nie komplett abgeschlossen ist und immer mal wieder überdacht bzw. aktualisiert werden sollte. Denn es entwickeln sich immer neue Begrifflichkeiten in Bezug auf eure Produkte bzw. auf den Kontext, indem sich eure Produkte bewegen.

 

So geht’s weiter

Im zweiten Teil unseres Mehrteilers zur Keywordrecherche geht es zum einen darum die entstandenen Listen mit weiteren Keyword-Variationen anzureichen und zum anderen hilfreiche Tools für die Bewertung dieser heranzuziehen. Welche Strategien bieten sich an, um die anschließende qualitative Auswahl des finalen Keywordsets für die eigene Website zu ermöglichen.

Wie geht ihr mit der Identifikation von Keywords um? Teilt eure Erfahrungen und Tipps gerne mit anderen über die Kommentarfunktion!

 

 

Zum Weiterlesen:

Teil 2 „Bestehende Keyword-Sets erweitern“

Teil 3 „Qualitative Bewertung von Keyword-Sets“

„Professionelle Keyword Recherche mit SEOlytics“

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3. September 2013 | von SEOlytics | 11

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