Im jahrelangen Streit zwischen Google und der EU-Kommission um die Monopolstellung der Suchmaschine in Europa ist jetzt eine Einigung im Gespräch. Der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia befürwortet offensichtlich Google’s neue Vorschläge zur Darstellung der Suchergebnisse. Anderen Kommissionsmitgliedern gehen diese aber nicht weit genug.

EU Search Engine MarketIm Kern dieses Wettbewerbverfahrens geht es um Google’s Marktmacht in Europa: 90,5 % Markteinteil in Deutschland (Dezember 2013) und 86 % in Europa (März 2013). Die EU fordert, die Suchmaschine solle weniger auf eigene weiterführende Ergebnisse verweisen, sondern auch Angebote ihrer Wettbewerber zulassen und deutlich sichtbarer platzieren. Jetzt hat Google Vorschläge veröffentlicht, wie die Forderungen der EU-Kommission umgesetzt werden könnten. Doch auch wenn die Vorschläge beim Wettbewerbskommissar offensichtlich auf Zustimmung stoßen, regt sich innerhalb der Kommission auch Widerstand. So mancher mag vielleicht das Gefühl haben, dass der Suchmaschinen-Gigant allzu leicht davon kommt.

 

Google verlinkt auf Google

Innerhalb der letzten Jahre konnte man bei Google den Trend beobachten, dass die SERPs (Suchergebnisseiten) zunehmend Ergebnisse enthalten, mit denen versucht wird, die User länger im eigenen System zu halten. Google’s Intention ist dabei offensichtlich: Je länger der User im Suchmaschinen-Imperium bleibt, desto häufiger kann ihm dort Werbung präsentiert werden. Und AdWords sind noch immer die Haupteinnahmequelle für Google. Deshalb tritt die Suchmaschine zunehmend auch als Dienstleister auf und bietet Hotel-, Restaurant- und Flugsuchen oder Preisvergleiche an. Zudem wurde die weiterführende Suche verstärkt – vom Caroussel bis zu den Olympia-Ergebnissen. Damit verweist die Suchmaschine auf sich selber und triggert jedes mal eine neue Suchen – zu der dann wieder neue AdWords ausgesteuert werden können.

Welches Ausmaß die Verlinkung von Google auf sich selbst inzwischen angenommen hat wird am Beispiel [Olympische Winterspiele] deutlich:

  • 77,4 % der Links im sichtbaren Bereich der Suchergebnisseite lösen eine erneute Suchanfrage aus.
  • Auf Wikipedia verweisen weitere 12,9 % der Links.
  • Und nur 9,7 % sind sonstige Ergebnisse, hier aus dem News-Bereich.

Google Suchergebnisseite (SERP) - Olympische Winterspiele

Ähnliche Ergebnisse bekommt der sportbegeisterte User präsentiert, wenn er nach den olympischen Disziplinen wie Biatholon, Skispringen oder Eiskunstlauf sucht.

Auch mit Google Shopping wurde ein weiteres eigenes Produkt eingeführt, das in Konkurrenz zu anderen Angeboten steht. Denn letztendlich dienen Shopping Einblendungen dem Preisvergleich, auch wenn direkt auf den Shop verlinkt wird.

 

So könnten die neuen SERPs aussehen

Im Hinblick auf das Wettbewerbsverfahren der EU hat Google Ende letzter Woche Vorschläge zur Anpassung der Suchergebnsisseiten in einem mehr als 90 Seiten umfassenden PDF veröffentlicht. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Anbieter von konkurrierenden Spezial-Suchmaschinen, wie Hotel-, Restaurant- und Flug-Suchmaschinen oder Preisvergleiche. Diese sollen künftig deutlich gekennzeichnet werden und mehr Platz in den SERPs bekommen. Konkret schlägt Google vor:

  • User werden mit einem Label darauf hingewiesen, dass Google-eigene Ergebnisse bevorzugt promoted werden.
  • Ergebnisse aus den Konkurrenz-Suchmaschinen werden graphisch abgehoben dargestellt. In Google’s eigenen Screenshots zu den Vorschlägen sind sie  hellgrün hinterlegt.
  • Jeweils drei relevante Ergebnsisse von Konkurrenten sollen eingeblendet werden.
  • In Form und Umfang sollen sie den Google-eigenen Ergebnissen entsprechen. Wenn diese also Links oder Bilder enthalten, werden auch bei denen der Wettbewerber welche ausgesteuert.
  • Die Konkurrenten erhalten die Kontrolle darüber, wie sie ihre Angebote darstellen möchten.
  • Werden die Kokurrenten im Umfeld von bezahlten Ergebnissen gezeigt, müssen auch sie sich einem Bietmechanismus unterwerfen.
  • Im Umfeld von organischen Suchergebnissen sind auch die der Spezial-Suchmaschinen kostenlos. Der normale Web-Suchalgorithmus greift aus einen Pool der Konkurrenten die Resultate heraus.

Wie die neuen SERPs dann aussehen könnte zeigen die folgenden von Google veröffentlichten Screenshots. Folgend die Einblendung von alternativen Ergebnisssen in die Shopping Resultate von Google, dargestellt jeweils für Desktop, Tablet und Mobile.

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Shopping oben_Desktop

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Shopping oben_Tablet

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Shopping oben_Mobile

Für Flüge oder Lokale Suchergebnisse wie Hotels und Cafés schlägt Google vor, die alternativen Ergebnisse über bzw. unterhalb der Ergebnisboxen auszusteuern, wie an den Beispielen zu erkennen ist.

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Flights_Desktop

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Flights_Tablet

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Flights_Mobile

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Hotel_Desktop

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Hotel_Tablet

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Hotel_Mobile

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Cafe Paris_Desktop

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Cafe Paris_Tablet

Google Konkurrenz-Ergebnisse_Cafe Paris_Mobile

 

Wird der Wettbewerb durch die neuen SERPs fairer?

Zu dieser Frage kann man durchaus geteilter Auffassung sein. Es darf bezweifelt werden, ob die Darstellung von drei Konkurrenzergebnissen ausreicht, um Googles  Vormachtstellung ernsthaft zu beeinträchtigen. Vermutlich assoziiert der User die alternativen Ergebnisse auch eher als weitere Anzeigen, da sie sich durch die Art der Darstellung – hellgrün hinterlegt – von den organischen Ergebnissen unterscheiden. Für Shopping-Einblendungen mag das nicht so relevant sein, aber gilt das auch bei den Ergebnissen zur Lokalen Suche? Nicht ohne Grund sind sich in diesen Fragen auch die Mitgleider der EU-Kommission nicht einig, denn vielen geht der Vorschlag von Google noch nicht weit genug.

Was meint ihr dazu? Sollte die EU-Kommission den Vorschlag akzeptieren und das jahrelange Wettbewerbsverfahren endlich beilegen? Oder habt ihr andere Vorstellungen davon, wie die Konkurrenten dargestellt werden könnten? Wir sind gespannt auf eure Kommentare.

 

 

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18. Februar 2014 | von Jens | 3

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