Im April 2014 führte Google die sogenannten In-depth Artikel in die britischen Suchergebnisseiten ein, nachdem diese bereits im August vergangenen Jahres in den USA starteten. Dies könnte ein erstes Indiz dafür sein, dass das Feature bald in weiteren Ländern ausgerollt wird. Zeit für eine Analyse.

Laut Google suchen bis zu 10% der User nicht nur eine schnelle Antwort, sondern tiefer gehende Informationen zu einem bestimmten Thema. Bei weltweit 1,2 Billionen Suchen im Jahr sind das also stattliche 120 Milliarden Info-Anfragen, davon allein in den USA etwa 15,7 Milliarden.

Mit In-depth Artikeln versucht Google genau hier anzusetzen: die speziellen Hintergrundartikel aus bekannten Tageszeitungen und Magazinen haben das Ziel, mit weiterführenden Veröffentlichungen und Suchen, tiefer in ein spezielles Thema einzudringen. Die Suchmaschine hofft so dem nach tieferen Informationen suchenden User ein hochwertigeres und relevantes Suchergebnis liefern.

Suchen mit tieferem Informationsbedürfnis

Unsere Analyse der amerikanischen Suchergebnisseiten (SERPs) macht deutlich: aktuell werden zu 2,8% der Suchanfragen In-depth Artikel angezeigt (Stand: Mai 2014). Dies bedeutet eine Zunahme von 16,7% innerhalb der letzten sechs Monate, denn im Dezember 2013 lag die Quote noch bei 2,4%. Es ist davon auszugehen, dass Google diesen Anteil auch weiterhin ausbauen wird.

 

Erscheinungsbild

Im Kontext eines solchen Suchbegriffs wurden bisher immer genau drei In-depth Resultate en Bloc angezeigt, die sich stets auf der unteren Hälfte der Suchergebnisseite befinden.

Oscars In-depth SERP

Google arbeitet weiterhin an der Optimierung des Features und nimmt Veränderungen am Erscheinungsbild und der Platzierung innerhalb der SERPs vor. Die letzte größere Anpassung erfolgte im Dezember 2013. Die folgenden Screenshots zeigen deutlich die Änderungen seit der Einführung.

In-depth Layoutänderungen

Aber Google testet permanent das Erscheinungsbild, wie da folgende Beispiel verdeutlicht. Dort stellen wir das aktuelle Erscheinungsbild einem Layout Test von Google gegenüber. Man erkennt u. a. dass nur noch das erste In-depth Ergebnis mit Bild und Snippet gefeatured wird und dass Google sich scheinbar an dem News Layout orientiert.

In-depth Artikel Layout Test desk

Das aktuell gängige Format weist derzeitig kein Logo der Quelle mehr auf, wie das zu Beginn der Fall war. Zurzeit werden die Artikel mit der Überschrift „In-depth articles“ kenntlich gemacht. Innerhalb dieser „Box“ gestaltet sich der Aufbau so, dass der Artikeltitel zusammen mit dem Snippet, Thumbnail, Quelle, Datum und ggf. Autorenangabe begleitet wird. Ein Klick auf den blau hinterlegten Verweis „+ More in-depth articles“ führt zu weiteren Artikeln, die bis zu sieben Stück umfassen können, sodass die Möglichkeit besteht insgesamt bis zu zehn In-depth Artikel angezeigt zu bekommen.

Ebenfalls seit der Einführung neu hinzugekommen sind Verweise zu weiterführenden Inhalten im Kontext des initialen Keywords, die mit „Explore“ ausgewiesen werden. Folgt man diesen wird eine neue Suche geöffnet, die u.a. weitere In-depth Artikel zum geklickten Keyword anzeigt. Im Falle des Keywords [Snowden] wird deutlich, dass dies nicht nur Informationen sein können, die das Thema näher erläutern und erklären, sondern auch auf Ergebnisseiten zu Autoren leiten, was das folgende Beispiel deutlich macht:

snowden_toobin_10-06-14

 

Welche Quellen werden gefeatured?

Welche Kriterien spielen nun bei der Auswahl der Artikel in der Rubrik „In-depth“ eine Rolle? Google macht deutlich, dass Artikel angezeigt werden, die sowohl von „well-known publishers“ als auch von „lesser-known publications and blogs“ stammen können. Der gesteckte Rahmen einer möglichen Einbeziehung der eigenen Seiten scheint damit recht weit zu sein. Deshalb haben wir die Publisher analysiert, die am häufigsten mit In-depth Resultaten in den amerikanischen Suchergebnissen auftauchen:

Top-10 Publisher In-depth Artikel

Zurzeit bezieht Google primär Inhalte ein, die von führenden Herausgebern erstellt wurden, d. h. Veröffentlichungen namhafter Zeitungen, News-, Wissensportalen usw. Ganz vorne dabei ist beispielsweise die New York Times (nytimes.com). Im Vergleich zu den Top Publishern von Dezember 2013 gibt es ein paar bemerkenswerte Veränderungen: So ist z. B. die Bedeutung von slate.com enorm gewachsen. Das 1996 gegründete Web-Magazin, spielte Ende letzten Jahres mit 0,03% Anteil am In-depth-Kuchen kaum eine Rolle. Nicht mehr in den aktuellen Top-10 vertreten sind dagegen wired.com (1,7% Anteil an den In-depth Resultaten), forbes.com (1,2%) und thedailybeast.com (0,3%). Im Dezember 2013 belegten die Domains noch die Plätze 6, 7 und 8 mit 2,9%, 2,9% und 2,7% Anteil an den In-depth Resultaten. Insgesamt ist die Basis an In-depth Publishern in diesem Zeitraum deutlich gewachsen. Griff Google Ende vergangenen Jahres auf gut 500 Quellen zu, so sind das mittlerweile bereits 676 und damit 35% mehr.

Wir haben einmal die Universal Search Rankings der New York Times in SEOlytics genauer unter die Lupe genommen:

SEOlytics Universal Rankings nytimes

Bemerkenswert, dass In-depth Artikel mit 62,76% bereits einen deutlich größeren Anteil an den Universal Search Resultaten haben, als beispielsweise News Einblendungen (25,94%).

Auch wenn die großen und bekannten Publisher am meisten von dem In-depth Feature profitieren – es tauchen auch immer wieder „Exoten“ in den Resultaten auf. Diese sind meistens Blogs, die sich speziell einem Thema verschrieben haben und innerhalb dieses Umfelds als Experten wahrgenommen werden, wie beispielsweise toplessrobot.com (In-depth Artikel zum Keyword [the fallen]), butterbeliever.com [vegetable oil] und comicsreporter.com [ed brubaker].

Screenshot toplessrobot.com  Screenshot butterbeliever.com  Screenshot comicsreporter.com

Aber warum werden hauptsächlich News-Seiten von etablierten Zeitungen gefeatured? SEO-United nennt dazu eine mögliche Begründung: „Google hat erkannt, dass der herkömmliche Journalismus ohne weitere Zugeständnisse der priorisierten Darstellung in den Ergebnissen einer Suchmaschine nicht mehr lange Bestand haben könnte und gibt über die in-depth Artikel vor allen Dingen News-Seiten eine letzte Chance, auch über die Aktualität ihrer Artikel hinaus bei Google gefunden zu werden.“

Im Gegensatz zu Artikeln der Universal Search Ergebnisse in der Rubrik „News“ scheint generell für die Berücksichtigung in der neuen Rubrik der Evergreen-Charakter zu sein, d.h. inwiefern der Content jetzt und in der Zukunft relevant ist und bleibt.

Eine Studie von Forbes.com, basierend auf 10.000 Suchanfragen im September 2013, verdeutlicht, dass die Hälfte aller In-Depth-URLs 2011 oder früher publiziert wurden. Google hebt also gezielt Bewährtes hervor das diverse Monate und Jahre alt sein kann. Zu aktuellen zeitgeschichtlichen Ereignissen jedoch – hier am Beispiel der Krise in der [Ukraine] -, erscheinen aber auch aktuelle In-depth Resultate zur Hintergrundinformation.

In-depth Artikel Ukraine

 

SEO-Tipps für In-depth Artikel

In der Theorie kann jeder „thoughtful in-depth content that will remain relevant for months or even years after publication” (Pandu Nayak, Google) veröffentlichen. Google gibt aber auch Empfehlungen, um eigene Artikel für das In-depth Feature zu optimieren.

Hier die wichtigsten Tipps:

  • > Verwendung des Schema.org Article-Markups
  • > Verwendung des Authorship-Markups
  • > Korrekte Paginierung bei mehrteiligen Artikeln
  • > Richtige Verwendung von Canonicals

Zudem muss der Artikel für Suchmaschinen und Nutzer frei zugänglich sein und indexiert werden können. Bei einigen Publishern, z. B. iBusiness und Hamburger Abendblatt, könnte dies jedoch mit bisherigen Abo-Erlösmodellen Komplikationen geben, wenn die Artikel von Google nicht gecrawlt werden können.

Weitere Infos zur Einbindung von schema.org sowie dem Data Highlighter und dem Markup Helper von Google, die dabei helfen Daten auszuweisen, findet ihr auf suchradar.de und seo.de.

In erster Linie kommt es darauf an hochwertigen Content zu erstellen, der sich in der Regel erst über einen größeren Zeitraum „bewähren“ muss. Ein kurzfristiger Erfolg in diesem Bereich ist eher nicht zu erwarten. Immerhin wurde ein weiterer Ansporn geschaffen, Inhalte zu liefern, die dem Nutzer tatsächlich einen Mehrwert bieten.

Habt ihr euch schon mit In-depth Artikeln auseinander gesetzt? Was denkt ihr, wann kommt das Feature nach Deutschland?

 

 

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12. Juni 2014 | von Jens | 4

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