Werden die Google Suchergebnisse manipuliert und Resultate für die Personensuche im großen Stil entfernt? Auf den ersten Blick könnte man das denken, denn seit Kurzem verändert Google die Suchergebnissseiten, nutzt einen dubiosen Hinweis zur Stimmungsmache und schürt die Angst vor Zensur.

google-zensur-fb

Der Europäische Gerichtshof entschied Anfang Mai gegen Google und räumte Privatpersonen ein „Recht auf Vergessen“ im Internet ein. Von Suchmaschinen verlangt er die Entfernung von Suchergebnissen, die den Namen der betreffenden Person enthalten, wenn sie „den Zwecken, für die sie erhoben und/oder verarbeitet wurden, nicht entsprechen, dafür nicht oder nicht mehr erheblich sind oder darüber hinausgehen.“

70.000 Europäer wollten von ihrem „Recht auf Vergessen“ Gebrauch machen und beantragten – innerhalb des ersten Monats nach Urteilsverkündung – die Löschung von Suchergebnissen bei Google. Aus Deutschland wurden 12.000 Anträge gestellt. Insgesamt sollen 267.000 Links entfernt werden.

Doch seitdem Google mit der Umsetzung der Löschanträge begonnen hat, tauchen in den personenbezogenen Suchergebnissen zunehmend Warnhinweise auf. Möchte Google damit die Angst vor Zensur im Internet schüren?

Hinweis Recht auf Vergessen

Der Hinweis ist geschickt formuliert, liefert aber natürlich überhaupt keine Erkenntnisse darüber, ob jetzt wirklich Ergebnisse entfernt wurden oder nicht. Jedoch impliziert Google damit die Zensur der Suchergebnisse, obwohl dies in den allerwenigsten Fällen tatsächlich der Fall ist. 70.000 Anträge entsprechen gerade einmal 0,01% der europäischen Bevölkerung. Eine Ausnahme bilden zudem bekannten Persönlichkeiten – bei ihnen taucht der Hinweis nicht auf, denn es besteht ein generelles öffentliches Interesse auf Information.

Google sagt selbst „Wir zeigen diesen Hinweis in Europa bei der Suche nach den meisten Namen an und nicht nur bei Seiten, die von einer Entfernung betroffen sind.“ Und bleibt aber die Erklärung schuldig, warum das so ist.

Dabei wäre der Suchmaschinenkonzern durchaus in der Lage den Hinweis immer nur bei den Suchen auszusteuern, bei denen wirklich eine Löschung erfolgte. Auch die Anzahl entfernter Suchergebnisse könnte konkret beziffert werden. Dies beweist Google bei Ergebnis-Löschungen infolge von Urheberrechtsverletzungen (und liefert gleichzeitig erneut Indizien dafür, dass es sich bei der Meldung zur Personensuche um reine Stimmungsmache handelt) :

Hinweis DMCA-Beschwerde

Eine vergleichbare Propaganda-Strategie ist Google auch schon beim Streit mit der GEMA gefahren, als diese eine Gebühr fürs Zeigen von Musikvideos auf YouTube forderte.

YouTube-GEMA-Meldung

Insgesamt liegt die Vermutung nahe, dass Google die Hinweise als Teil einer PR-Strategie sieht, um gegen unliebsame Gerichtsentscheidungen zu protestieren. Dabei scheint der Konzern aber zu übersehen, dass dieses Vorgehen die allgemeine Stimmungslage gegenüber sich selbst nicht gerade besänftigt.

 

Beitrag weiterempfehlen

8. Juli 2014 | von Jens | 3

Zu diesem Beitrag können keine Kommentare mehr abgegeben werden.